1948

Fernfahrt Basel – London 17. - 31. Juli 1948

An der Generalversammlung im Frühjahr 1946 (kurz nach Kriegsende) wurde beschlossen, im Laufe des Jahres 1948 eine Fernfahrt Basel-London durchzuführen: Fernfahrt an die Olympischen Spiele in London im Langschiff, mit gleichzeitiger Ueberbringung einer Botschaft des Schweizerischen Olympischen Komitees und des Organisationskomitees der 5. Olympischen Winterspiele in St. Moritz 1948 an das Organisationskomitee der Olympischen Sommerspiele in London.

Patronat:

Die Fahrt fand unter dem Patronat der Eidg. Behörden statt:

Herrn Bundesrat K. Kobelt, Bern, Vorsteher des EMD

Herrn Oberstdivisionär O. Büttikofer, Bern, Chef BAGF

Herrn Minister Henri de Torrenté, Schweiz. Gesandter in London

Kantonale Behörden:

Herrn Regierungsrat F. Brechbühl, Basel, Polizeidepartement

Herrn Nationalrat Dr. A. Schaller, Basel, Rheinschifffahrtsdirektor

Reedereien:

Herrn Dr. N. Jaquet, Basel, Präsident des Verwaltungsrates der Schweiz. Reederei AG

Herrn Dr. Rud. Speich, Basel, Präsident des Verwaltungsrates der Basler Rheinschifffahrts AG

Olympisches Komitee:

Herrn Albert R. Mayer, Montreux, vom IOC und SOC

Reise-Etappen:

Basel - Breisach - Ludwigshafen - Koblenz - Ruhrort - Nijmegen - Rotterdam (Total 832 Flusskilometer) - Tilbury - London

Organisation Rhenania:

Eine Reisekommission wurde gebildet, bestehend aus folgenden Mitgliedern:

Gassler Otto, als Steuermann und Fahrchef

Hänni Hans, als Kommissions-Präsident

Heer Hans, als Berater und Kapp Ernst, als Reise-Kassier

In Herrn Ernst Thommen, Direktor der Sport-Toto-Gesellschaft, Basel, gewann die Reisekommission einen initiativen Mitarbeiter, der sich ganz für das Zustandekommen der Fahrt einsetzte. Die Sport-Toto-Gesellschaft stellte uns ihr, unter der Leitung von Herrn Walter Schäublin, Sekretariat zur Erledigung der umfangreichen Korrespondenz mit den amtlichen Stellen im In- und Ausland und allen in Betracht fallenden privaten Organisationen in uneigennütziger Weise gratis zur Verfügung. Diese Gesellschaft gewährte uns in Verbindung mit dem Landesverband für Leibesübungen (heute SLS) eine Subvention von Fr. 5'000.--, ebenso wurde von diesen beiden Stellen Herrn Dr. med. Schlegel vom Kantonsspital Zürich beauftragt als ärztlicher Begleiter an der Fahrt teilzunehmen.

Das Eidg. Militärdepartement überliess uns unendgeltlich das benötigte Material (Zeltblachen, Wolldecken, Kochkisten, Pumpen etc.).

Schreiben der Basler Behörden an die Behörden von London:

Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt an den Lord Mayor und die Stadtbehörden von London:

Hochgeachteter Herr Bürgermeister. Hochgeachtete Herren

Es ist noch nicht lange her, dass die Union Suisse Folklorique de Bâle sich nach London begeben hat, es war im Monat Mai, zur Veranstaltung einiger Konzerte. Wir haben uns bei dieser Gelegenheit gestattet, Ihnen, Herr Lord Mayor, der Stadt London und der englischen Bevölkerung unsere herzlichen Grüsse und Wünsche in Form einer Adresse zu übermitteln. In diesen Tagen trifft nun wieder ein Verein aus Basel in der Stadt London ein, und es ist uns ein Vergnügen, Ihnen, Herr Lord Mayor, durch diesen Verein mit diesem Schreiben erneut unsere Sympathie zum Ausdruck bringen zu lassen. Die Rhenania St. Johann Basel besteigt hier in Basel ihr Ruderlangboot und fährt in ihm den Rhein hinunter bis nach Rotterdam; dort wird das Boot zum Ueberqueren des Kanals auf ein Seeschiff verladen. Von Southend aus geht die Fahrt wieder im Langschiff weiter bis zum Ziel: die Stadt London. Diese Reise benötigt 10 Tage. Man wird in der Geschichte der Beziehungen zwischen Ihrer Stadt London und unserer Stadt Basel wohl sehr weit zurückgehen müssen, um feststellen zu können, wann einmal eine Reise von Basel nach London in einem Ruderlangboot unternommen worden ist. Auf jeden Fall stellt dieses Beförderungsmittel in der heutigen Zeit, wo die Distanz zwischen London und Basel in wenigen Flugstunden zurückgelegt werden kann, etwas Einzigartiges dar.

Die Teilnehmer dieser Fahrt gehen nicht darauf aus, in aller Hast und Eile, getrieben von der Unruhe unserer Zeit, möglichst rasch an ihr Ziel zu gelangen. Als Anhänger eines in unserem Lande weit verbreiteten Sportes, des Wasserfahren in Langbooten, unternehmen sie die Reise zum Besuch der Olympischen Spiele in Wimbledon in ihrem Schiff, dessen Lenkung bei aller Gemächlichkeit der Fahrt stets Wachsamkeit und Geistesgegenwart erfordert. Wenn auch bisher die sportlichen Beziehungen zwischen England und der Schweiz und im Besonderen zwischen den beiden Städten London und Basel sehr rege und mannigfaltig waren - sei es, dass beispielsweise Fussball-Länderspiele in beiden Ländern durchgeführt wurden oder dass einzelne Sportler zu sportlichen Veranstaltungen nach England oder der Schweiz reisten - so dürfte es in diesen sportlichen Verbindungen wohl das erste Mal sein, dass von Basel aus eine Reise mit dem Ruderlangboot nach London unternommen wird.

Wir möchten Ihnen, Herr Lord Mayor, wie kürzlich die Folkloristen so auch diese Ruderer und ihre Begleiter der freundlichen Aufnahme in Ihrer glorreichen Stadt angelegentlich empfehlen. Diese Leute überbringen Ihnen dieses Schreiben zu Handen der Stadt London mit unseren herzlichen Grüssen und mit den besten Wünschen für einen eindrucksvollen und glücklichen Verlauf der Olympischen Spiele.

Genehmigen Sie, Herr Lord Mayor, die Versicherung unserer ausgezeichneten Hochachtung.Im Namen des Regierungsrates

Der Präsident i.V. Zweifel  Der Sekretär  Matzinger

Einige Auszüge aus dem offiziellen Bericht:

Wie muss wohl die Psyche der Fahrmannschaft aus der kriegsunversehrten Schweiz ausgesehen haben, wenn wir in diesem Bericht folgende Zeilen lesen:

"Wir passierten mehrere in hügeligem Gelände gelegene Ortschaften. Die zerstörten Rheinbrücken mehrten sich, ebenso die im Rhein liegenden versenkten oder gestrandeten Schiffe. Bald darauf erblickten wir links unser Etappenziel Ludwigshafen, auf dem rechten Rheinufer das gegenüberliegende Mannheim, beide Städte zu 80 % vom Kriege zerstört."

"Bald erblickten wir Mainz, das mit seinen Ruinen einen trostlosen Anblick bot. Wir fanden einen Picknickplatz in einer verlassenen Gartenwirtschaft in Eltville, einem hübsch gelegenen Ort am rechtsrheinischen Ufer. Beim Anblick der vielen unterernährten deutschen Kinder liess es sich die Reisegesellschaft nicht nehmen ungefähr 20 Buben und Mädchen aufs Reichlichste zu verpflegen und zum Schluss noch mit Schokolade und Südfrüchten zu beschenken."

"Herr Wirz, -Stadtdirektor von Köln teilte uns mit, dass von den 900'000 Einwohnern vor dem Kriege 200'000 verschwunden seien, heute ca. 500'000 in Kellern leben und der Rest an der Oberfläche in mehr oder weniger bewohnbaren Häusern."

Über den WFV Rhenania St. Johann

Der Verein WFV Rhenania St. Johann Basel wurde bereits im Jahre 1895 gegründet

Der Wasserfahrverein Rhenania St. Johann Basel ist ein polysportiver Sportverein für beiderlei Geschlechts mit den beiden Sparten Wasserfahren und Kanufahren. Der Standort vom Bootshaus ist in Basel St. Johann, St. Johanns-Rheinweg 103. Wir haben eine heimelige Clubwirtschaft (Klause) am St. Johanns-Rheinweg 121, die für unsere Mitglieder offen ist.

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